Junger Mann mit dem Handy
westend 61/Uwe Umstätter
15. April 2026

So komplex wie nötig, aber so einfach wie möglich – Interview mit René Schmied, das Leitwerk

Warum bim langfristig unverzichtbar ist und wie sein Unternehmen von Clusterprojekten profitiert, erzählt René Schmied, GF von das Leitwerk, Clusterpartner im Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ.

Martin Huber: Lieber Herr Schmied, stellen Sie sich bitte vor.

René Schmied: Das Leitwerk bietet seit 20 Jahren innovative und integrative Gebäudetechnikplanung. Wir begleiten Projekte ganzheitlich – von der klassischen Gebäudetechnik über Bauphysik und Brandschutz bis hin zu geologischen Fragestellungen. Unser Leistungsportfolio reicht vom Wohnbau über kommunale Bauten wie Schulen bis hin zu Bürogebäuden, Projekten im Food‑Sektor, Industrieanlagen und Krankenhäusern.

Martin Huber: Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit für ihre Branche?

René Schmied: Die HKLSE-Branche steht vor der Herausforderung, steigende Energiepreise, zunehmende regulatorische Anforderungen und wachsende technische Komplexität gleichzeitig zu bewältigen. Hinzu kommt der zunehmende Mangel an qualifizierten TechnikerInnen, die einfache, robuste und gut betreibbare Systeme planen können. Gleichzeitig gewinnt der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Bedeutung: in Planung, Simulation und Betrieb – um Prozesse zu unterstützen und Komplexität sinnvoll zu reduzieren.

Martin Huber: Wie reagiert Das Leitwerk auf diese Herausforderungen?

René Schmied: Mit mehreren konkreten Maßnahmen. Einerseits ist uns die enge Zusammenarbeit mit Ausbildungsstätten wie HTLs, Fachhochschulen und Universitäten wichtig. Mit ihnen tauschen wir uns aktiv über Lehrinhalte aus und tragen zur Weiterentwicklung der Ausbildung bei. Dadurch können wir schon früh den Kontakt zu SchülerInnen und StudentInnen aufbauen, und das Interesse an einer Beschäftigung bei uns lenken. 
Zudem integrieren wir Künstliche Intelligenz laufend in unsere Planungsprozesse – von Variantenuntersuchungen bis hin zu Anwendungen in der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik.
Grundsätzlich verfolgen wir dabei den Ansatz, Gebäudetechnik so komplex wie nötig, aber so einfach wie möglich zu planen – mit dem Fokus auf Energieeffizienz, Betriebssicherheit und langfristige Nutzbarkeit.

Digitalisierung und KI treiben die Planung voran

Martin Huber: Welche Trends und technologischen Innovationen erwarten Sie in der TGA-Branche?

René Schmied: In der TGA‑Planung zeichnen sich klare Trends in Richtung Dekarbonisierung und Elektrifizierung der Gebäudetechnik ab. Niedertemperatur‑ und Low‑Ex‑Systeme, die stärkere Kopplung von Gebäudehülle, Bauphysik und Anlagentechnik sowie eine konsequente Ausrichtung auf den späteren Betrieb gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig treiben Digitalisierung und KI die Planung voran – etwa durch Simulationen, Variantenvergleiche, digitale Zwillinge oder die Optimierung von Mess‑, Steuer‑ und Regelungstechnik über den gesamten Lebenszyklus.

Ein wichtiger Gegentrend zur wachsenden Komplexität ist die bewusste Reduktion technischer Systeme: Ziel sind einfache, robuste, ressourcenschonende Lösungen, die auch bei steigenden Energiepreisen und begrenzten personellen Ressourcen zuverlässig funktionieren.

Martin Huber: Das Thema Sanierung ist in aller Munde. Wie ist Das Leitwerk in diesem Bereich aufgestellt?

René Schmied: Wir haben langjährige Erfahrung in der Sanierung, auch von historischen und denkmalgeschützten Gebäuden. Dabei kommen – in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und RestauratorInnen – häufig Sockel‑ und Wandheizungssysteme zur Trocknung und Beheizung zum Einsatz. Diese gelten als besonders substanzschonend und werden von der Denkmalpflege als sanfte Methode im Umgang mit dem Mauerwerk geschätzt. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit mit der Bauphysik bei uns intern, insbesondere um die Systeme gut abzustimmen und bauphysikalisch funktionierende Lösungen sicherzustellen – etwa in Hinblick auf Einsatz von funktionierenden Materialien, Lüftung und Schimmelvermeidung.

Außergewöhnliche Projekte und ein Blick in die Zukunft

Martin Huber: Was war in jüngster Vergangenheit das außergewöhnlichste Projekt von Das Leitwerk?

René Schmied: Diese Frage lässt sich für uns bewusst nicht auf ein einzelnes Projekt reduzieren, da wir den Anspruch haben, jedes Projekt als etwas Besonderes zu betrachten und mit entsprechender Sorgfalt zu bearbeiten. Besonders spannende Aufgaben haben wir aktuell in der Betreuung eines der größten Spitalprojekte in Wien, wir planen eines der herausragendsten Gourmetlokale in Österreich und Europa und eine großvolumige Produktionsstätte für Backwaren und Käse in Vorarlberg.

Ein von uns TGA-geplantes Holzbau-Büroprojekt ist derzeit für den Staatspreis Holzbau nominiert. Und es gibt noch viele weitere Projekte, die ebenso besonders sind. Diese Bandbreite zeigt gut, wie vielfältig, interessant und anspruchsvoll unsere Arbeit ist.

Martin Huber: Wo sehen Sie Das Leitwerk in 5-10 Jahren?

René Schmied: Als starkes Team, das auf den im Büro verankerten Wissensgebieten aufbaut und den integrativen Planungsgedanken konsequent weiterentwickelt. Unser Ziel ist, den erfolgreichen Weg der letzten 20 Jahre fortzusetzen – mit herausfordernden Projekten, hoher fachlicher Qualität und nachhaltigem Wachstum. Gleichzeitig wünschen wir uns, einen verkehrsgünstig gelegenen, innovativen Bürostandort zu schaffen, der Austausch, Entwicklung und Zusammenarbeit optimal unterstützt.

Es hat sich noch nicht „ausge-BIMt“

Martin Huber: Das Leitwerk hat vor einiger Zeit bei verschiedenen Cluster-Projekten im Bereich BIM (Building Information Modeling) teilgenommen. Was hat Sie damals zur Teilnahme bewogen?

René Schmied: BIM gewinnt durch immer komplexere Gebäude- und Projektstrukturen bei gleichzeitig geringer werdenden Platzverhältnissen zunehmend an Bedeutung. Es bietet ein wirkungsvolles Werkzeug, um Planungsprozesse effizienter zu gestalten und in der Ausführung einen echten Mehrwert zu schaffen – insbesondere durch reduzierten Abstimmungsaufwand sowie weniger notwendige Problemlösungen vor Ort.
Für uns beim Leitwerk war es daher entscheidend, am Stand der Technik zu bleiben und unser Know‑how kontinuierlich zu erweitern.

Martin Huber: Wie hat Das Leitwerk davon profitiert?

René Schmied: Wir konnten unser Know-how punkto BIM vertiefen und gleich anwenden. Besonders unterstützend war die Zusammenarbeit mit anderen BIM‑erfahrenen Unternehmen sowie der intensive Austausch mit FachkonsulentInnen unterschiedlichster Branchen. So konnten wir ein deutlich umfassenderes Verständnis dafür entwickeln, welche Herausforderungen, aber vor allem auch welche Potenziale ein BIM‑Workflow mit sich bringt. 
Durch die Teilnahme an den Projekten haben wir frühzeitig erkannt, welche prozessorientierten Änderungen, technischen Anforderungen und koordinatorischen Vorteile BIM künftig bieten wird. Dieses zusätzliche Know‑how stärkt unsere Fähigkeit, künftige Projekte effizienter zu planen, Schnittstellen besser zu koordinieren und Innovationen im Bauprozess bewusst zu nutzen.

Martin Huber: Manche Branchenexperten meinen: „Es hat sich „ausgeBIMt“!“. Wie schätzen Sie die zukünftige Relevanz digitaler Gebäudemodelle und die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit anhand dieser ein?

René Schmied: Wir glauben nicht, dass es sich „ausgeBIMt“ hat – im Gegenteil: BIM steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Der Wille zur Digitalisierung ist da, jedoch fehlen oft noch Detailtiefe, klare Beauftragungen, ausreichende Planungszeit und die Konsequenz, BIM bis in die Ausführung durchzuziehen. 
Zudem arbeiten Planung/Ausführung und Facility Management noch nicht durchgängig zusammen, was die Nutzung von Daten über den gesamten Lebenszyklus erschwert – besonders in den Baunebengewerken wie der TGA besteht Aufholbedarf.

Trotz dieser Herausforderungen glaube ich, dass die Bedeutung digitaler Gebäudemodelle weiter steigen wird: komplexere Projekte, höhere Anforderungen an Dokumentation und Nachhaltigkeit sowie der Druck zu effizienteren Abläufen machen BIM langfristig unverzichtbar. BIM wird sich weiter professionalisieren, standardisieren und zur Grundlage moderner Projektabwicklung werden.

„TGA meets BIM“ – aktuell gibt es zwei Welten

Martin Huber: Das Leitwerk hat sich unlängst am Erfahrungsaustausch „TGA meets BIM beteiligt. Was haben Sie von den Erfahrungen der anderen Teilnehmer mitnehmen können?

René Schmied: Bei „TGA meets BIM“ wurde deutlich, dass viele der teilnehmenden Unternehmen bereits erhebliche interne Anstrengungen unternehmen, um ihre Planungsprozesse Schritt für Schritt BIM‑tauglich auszurichten. Dieser Wandel ist spürbar, jedoch noch lange nicht abgeschlossen. 
Besonders sichtbar wurde, dass es aktuell zwei Welten gibt, die noch nicht optimal miteinander verbunden sind:

  • Die Planungs‑ und Ausführungsseite, deren Fokus auf der Herstellung des Gebäudes liegt.
  • Das Facility Management, das das Gebäude bis zum Lebenszyklus-Ende betreibt.

Obwohl beide Seiten mit denselben Daten arbeiten müssten, treffen sie sich derzeit oft nicht in einem durchgängig nutzbaren Modell. Die Datenwege sind komplex und führen häufig zu Medienbrüchen: Was in der Planung gut gemeint erstellt wird, kommt beim Facility Management oft nur unvollständig, inkonsistent oder schwer weiterverwendbar an. 
Daraus ließ sich klar ableiten, dass Dateiformate, Modellierungsrichtlinien und normative Vorgaben dringend weiterentwickelt werden müssen, um eine durchgängige Nutzung zu ermöglichen – vom ersten Planungsschritt bis zum Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes. Nur wenn Daten standardisiert, übertragbar und konsistent aufbereitet sind, kann BIM sein volles Potenzial in allen Phasen entfalten.

„Aus der Praxis für die Praxis“ in Clusterprojekten

Martin Huber: Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Arbeit als Unternehmer?

René Schmied: Definitiv die Zusammenarbeit mit unserem eigenen Team. Es ist sehr erfüllend zu sehen, wie sich einzelne Talente weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen und gezielt gefördert werden können. Gleichzeitig motiviert mich die Zusammenarbeit mit externen Projektteams: den vielen unterschiedlichen Menschen und Disziplinen im Rahmen der vielfältigen Projekte, die wir begleiten dürfen.

Martin Huber: Das Leitwerk hat auch am Clusterprojekt „New Work & Unternehmenskultur“ teilgenommen. Was haben Sie daraus mitgenommen?

René Schmied: Wir haben im Bereich Unternehmensattraktivierung und Mitarbeiterführung viel von den anderen gelernt und konkrete Ansätze für unseren Arbeitsalltag mitgenommen. Vor allem war der Austausch sehr offen, konstruktiv und von gegenseitiger Unterstützung zwischen den teilnehmenden Unternehmen geprägt. Das wirkte nach: Wir konnten neue Kontakte herstellen, die auch über das Projekt hinaus bis heute Bestand haben.

Martin Huber: Das Leitwerk ist langjähriger Partner im Bau.Energie.Umwelt Cluster NÖ. Was schätzen Sie am Cluster und seinen kooperativen Formaten?

René Schmied: Die Verbindung aus praxisnaher Wissensvermittlung, aktivem Austausch und gemeinsamer Problemlösung. Die Möglichkeit, Themen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern direkt mit anderen Unternehmen zu erarbeiten – quasi aus der Praxis für die Praxis – macht die Cluster-Projekte für uns wertvoll. Dadurch entsteht ein Umfeld, in dem Lernen, Vernetzung und Weiterentwicklung ideal miteinander verknüpft sind. Ein Mehrwert, den wir als Clusterpartner besonders hoch einschätzen.

Martin Huber: Unser Motto lautet "Innovation durch Kooperation". Können sie dem etwas abgewinnen?

René Schmied: Absolut. Innovation entsteht selten im Alleingang, sondern dort, wo unterschiedliche Perspektiven, Kompetenzen und Erfahrungen aufeinandertreffen. Oder anders gesagt: „United we stand – divided we fall“.

Kooperation ist für uns ein wesentlicher Motor, um neue Ideen zu entwickeln, technische Lösungen weiterzubringen und Herausforderungen schneller und intelligenter zu bewältigen. Durch den Austausch mit Partnern aus verschiedenen Gewerken gewinnen wir wertvolle Impulse, von denen wir lernen und die unsere Arbeit bereichern.

Martin Huber: Was wünschen Sie sich vom Cluster?

René Schmied: Wir wünschen uns auch in Zukunft inspirierende Projekte und Impulse, insbesondere im Bereich BIM, das für die gesamte Branche zunehmend an Bedeutung gewinnt. Wir sehen im Cluster eine wichtige Plattform für hochwertige Workshops, praxisnahes Lernen und den branchenübergreifenden Austausch. All das unterstützt uns dabei, uns weiterzuentwickeln und gemeinsam mit anderen Unternehmen an künftigen Lösungen zu arbeiten.

Dafür möchten wir uns herzlich bedanken.

Martin Huber: Ich bedanke mich bei Ihnen für die Einblicke!

Zum Unternehmen

Das Leitwerk - Ingenieurbüro GmbH
Marktgasse 2, 3141 Kapelln
www.leitwerk.at

Ihr Kontakt für weitere Rückfragen:

Martin Huber

Projektmanager Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich
E: m.huber@ecoplus.at